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Der Papst, Facebook und das teuflische Internet
Sonntag, 25. April 2010

In letzter Zeit häufen sich ja die Meldungen, dass vor allem konservative Medien bzw. konservative Vereine das Internet für sich entdecken und damit ein wenig in die Richtung einer modernen, offenen Gesellschaft driften. Ein guter Schritt meiner Meinung nach, immerhin ist das Netz für alle da und lässt auch alle Meinungen gelten. Wäre da nicht der neueste Beigeschmack: Der Papst Benedikt XVI warnt bei einer Bischofskonferenz vor den Risiken des Internets, den moralischen Bedenken dieses Mediums und der Gefahr der „Konformität der Gedanken“, was auch immer der Vereinsobmann der Kirche damit ausdrücken will. Nur eines kann man klar sagen: Es geht wieder einmal vollkommen in die falsche Richtung, hat der Papst scheinbar nicht den Grundkonsens des Internets verstanden.

Papst vs. Internet

Irgendwie verstehe ich die momentane Lage der katholischen Kirche nicht. Einerseits wird gejammert, dass so extrem viele Leute von dem Verein austreten, andererseits arbeitet die Führungsspitze doch genau an einer systematischen Zerstörung des christlichen Daseins. Die Missbrauchsskandale werden  nieder gehalten, keine offiziellen Äußerungen des Kirchenoberhauptes werden der Öffentlichkeit präsentiert, scheint doch der amtierende Papst in dem ganzen Skandal mit eine tragende Rolle zu spielen. Sicherlich, das ist rein eine Vermutung meinerseits, doch andererseits hätte er doch schon längst mal ein Machtwort aussprechen können bzw. sogar müssen, immerhin warten millionen Kirchenanhänger immer noch darauf, dass sich der Papst Benedikt XVI offiziell zu diesen Vorfällen äußert. Doch da wartet man vergeblich.

Seit Monaten hält uns die Kirche auch schon vor, wie wichtig die neuen Medien seien und wie man in der näheren Zukunft vor allem für soziale Nähe via Internet sorgen will. Gibt es jetzt auch schon den Papst auf Facebook, einen eigenen Kirchen Channel auf YouTube und viele weitere kirchliche Attraktionen im Internet zu sehen. Doch nach dieser schrittweisen Annäherung an das neue Medium Internet, hat ja auch lange genug gedauert, kommt jetzt wieder ein weiterer großer Schritt mit dem Retourgang, gibt der Papst doch wirklich dem Internet daran schuld, dass sich eine immer größere Kluft zwischen armen und reichen Ländern auftut. Doch da hat er scheinbar etwas nicht verstanden!

Immerhin gibt das Internet JEDEM Menschen die Möglichkeit, Informationen aus der ganzen Welt zu sammeln und die eigenen Meinungen, Erfahrungen und Gedankenspiele in die breite Masse der Internet User weiterzugeben. Somit gibt es eine Internet Gesellschaft der Gleichberechtigung, zählt doch im Internet die Stimme eines Millionärs genau so viel/wenig wie die eines ehrlichen Arbeiters. Die Anonymität sowie die Freiheit im Netz geben gerade die Möglichkeit, sich den verschiedenen Kulturen anzunähern, sind wir im Internet doch alle Gleich.


Weitere Gefahren seien eine zunehmende Kontrolle und ein moralischer und intellektueller Relativismus, der jetzt schon in einem Niedergang des kritischen Geistes spürbar sei.


Alleine diese Zeile aus der Pressemeldung lässt die ganze Thematik in einem ganz anderen Licht erscheinen, widerspricht sich der Satz ja förmlich selbst. Zum Einen heißt es, es sei eine Gefahr, dass es mehr Kontrollen im Internet gibt. Da kann ich nur vollkommen zustimmen, die weltweite Internetzensur verschlimmert sich leider von Jahr zu Jahr, viele Meinungen werden schlicht einfach verboten und Menschen deren Grundrecht der freien Meinungsäußerung beraubt. Doch dann kommt „ein moralischer und intellektueller Relativismus, der jetzt schon in einem Niedergang des kritischen Geistes spürbar sei.“ Was will der Papst damit jetzt bitte aussagen? Dass der Relativismus, also die Gleichgültigkeit zu Themen wie Kirche, Aussehen, Herkunft, daran schuld sind, dass der kritische Geist verloren geht? Oder will er damit sagen, dass gerade durch die große und breite Masse an verschiedenen Meinungen, überhaupt durch die weltweite Blogsphäre, der kritische Geist verschwindet? Hat er den Sinn der Blogsphäre nicht verstanden? Was, wenn nicht gerade das freie Internet unterstützt eine kritische Geisteshaltung, gilt hier im Netz die Meinungsfreiheit und fördert damit die freien, kritischen Geister.

Nicht das Internet ist der Teufel

Der Papst sollte sich in der Zukunft ein bisschen besser überlegen, was er mit seinen Aussagen über das Internet wirklich meint, will er sich jetzt wirklich in der Netzwelt integrieren, muss er diese auch selbst so akzeptieren wie sie eben ist. Wenn ein Medium die Geister der Menschen zum Denken anregt und sich dadurch Meinungen bilden, dann ist es definitiv das Internet. Hier zählt jede Meinung gleich, egal ob sie vom Papst höchstpersönlich stammt, oder nur von so einem kleinen Blogger wie mir ist, Punkt
 
Deine Meinung dazu, ist erwünscht. Kommentieren erlaubt ;-)
 
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